Philipp Aernis Artikel in BioFokus: Wie weiter in der Debatte um die grüne Gentechnik?

Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat am 1. März 2017 die Empfehlung des Bundesrates für eine weitere Verlängerung des Gentechnikmoratoriums in der Landwirtschaft gutgeheissen und zugleich die vorgeschlagene Koexistenzregelung abgelehnt.

Es ist bereits die dritte Verlängerung des Moratoriums seit 2005. Damals beteuerten Politiker aus allen Parteien, dass sie die grüne Gentechnik nicht pauschal ablehnen, sondern lediglich mehr über die tatsächlichen Risiken und Nutzen in Erfahrung bringen wollen. Zu diesem Zweck rief der Bundesrat ein Nationales Forschungsprogramm ins Leben, das sogenannte NFP59. Es kostete den Steuerzahler 13 Millionen, doch die im Jahr 2012 publizierten Resultate der NFP59 Studien wurden im öffentlichen Diskurs einfach ignoriert, weil sie politisch nicht genehm waren. So konnte unter anderem aufgezeigt werden, dass gewisse Anwendungen der grünen Gentechnik den Schweizer Produzenten wie auch der Umwelt nützen könnten, dass Schweizer Konsumenten durchaus gv Nahrungsmittel kaufen würden, wenn sie die Wahlfreiheit hätten, und dass sich Schüler an Kantonsschulen für Laborerfahrung mit der grünen Gentechnik sowie Rollenspiele zu den ethischen Fragen begeistern können.

Wer sich mehr konkrete Erfahrung mit der Technologie wünscht, um sich selber ein Urteil bilden zu können, wird sich auch nach Ablauf des neuen Moratoriums kaum Hoffnung machen können, denn die Lobbyinteressen für die Aufrechterhaltung des Gentechnikverbots sind so stark wie nie zuvor. Dies ist alarmierend, denn die klassische Gentechnik ist mittlerweile bereits eine veralteteTechnologie. Die neuen Techniken des «gene editing» erlauben eine weitaus präzisere und weniger invasive Züchtung von genetisch verbesserten Pflanzen.Sie liessen sich auch sehr gut kombinieren mit agrarökologischen Praktiken. Da aber Politiker von rechtaussen bis linksaussen so tun als wäre unsere Landwirtschaft dank «Swissness» und Subventionen bereits nachhaltig, lassen sich unbequeme Entscheidungen beliebig aufschieben, auch wenn es auf Kosten künftiger Generationen geht.
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